Bremerhaven. Den Job im Hafen gibt es nur, wenn man der Gewerkschaft Verdi beitritt? Diesen ungeheuerlichen Vorwurf erhebt die kleine
Konkurrenzgewerkschaft Contterm. Sie wirft Peter Frohn vor, Druck auf neue Mitarbeiter auszuüben. Der Verdi-Mann und
Betriebsratvorsitzende des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) wehrt sich: "Das ist absoluter Tinnef." Von Klaus Mündelein
Am Sonntag ist Betriebsversammlung beim GHB. Dazu werden auch die Vertreter der beiden Gewerkschaften anwesend sein. Und da, so Frohn,
wird das Thema auf den Tisch gebracht. So macht man das im Hafen, zu juristischen Schritten will er nicht greifen. Für Frohn ist
Contterm auch keine richtige Gewerkschaft. "
Die sind nicht einmal im Deutschen Gewerkschaftsbund, und kein Arbeitgeber wird mit denen verhandeln."
Contterm gehört zum christlichen Gewerkschaftsbund, will dort aber ausscheren. Gewerkschaftschef Wolfgang Kurz bemüht sich seit Wochen,
Druck auf Verdi auszuüben. In etlichen Erklärungen attackiert er die Gewerkschafter, wirft ihnen vor, unhaltbare Arbeitsverhältnisse zu
tolerieren. Zum Beispiel die Einstellung von Hafenarbeitern in Teilzeit, die aber Vollzeit arbeiten müssen. Und jetzt die persönliche Attacke
gegen Frohn.
Der würde in Gruppengesprächen bei den Bewerbern den Eindruck erwecken, ohne Verdi-Mitgliedschaft gebe es keine Beschäftigung und keine
Hilfe des Betriebsrats, behauptet Kurz. Erst danach würden die Einstellungsverträge zur Unterschrift ausgegeben. Diese Vorwürfe untermauert
Ex-Verdi-Mann Sascha Schomacker. Der liegt derzeit mit den Gewerkschaftskollegen heftig im Clinch, hat seinen Vorstandsposten verloren und
ist nun ausgetreten. Kurz fordert Verdi auf, die ungewöhnlich hohe Anzahl an Anträgen zu überprüfen.
Beim GHB hat es in den vergangenen Monaten etliche Neueinstellungen gegeben. Noch nie war der Betrieb so groß. 2650 Beschäftigte hat er
derzeit laut Frohn. Der Betriebsratsvorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass für ihn eine starke Gewerkschaft das Wichtigste ist.
"Wenn wir nicht so hoch organisiert wären, hätten wir für Wilhelmshaven keinen GHB durchsetzen können." Da habe es schon Gespräche mit
Zeitarbeitsfirmen gegeben. Aber Druck auf neue Mitarbeiter ausüben, um sie zum Eintritt zu bewegen? "Blödsinn", sagt Frohn.
260 Euro Erholungsbeihilfe
Die meisten würden schon deshalb zu Verdi kommen, weil ausschließlich die Hafenarbeiter mit Mitgliedsausweis jährlich eine sogenannte
Erholungsbeihilfe in Höhe von 260 Euro bekommen. Man habe die Gesprächsrunden gerade als Gruppengespräche organisiert, damit nicht nachher
gemunkelt wird, in Einzelgesprächen würden die Leute unter Druck gesetzt.
Frohn gehen die Attacken inzwischen auf die Nerven. Auch die Abqualifizierung befristeter Jobs und Teilzeitarbeitsverhältnisse ärgert ihn.
Ohne die Teilzeitverträge würde man gar nicht so viele Leute einstellen können. Und ein 30-Stunden-Job beim GHB sei weit besser als ein Job
bei einer Zeitarbeitsfirma.
"Die Vorwürfe sind abenteuerlich, an den Haaren herbeigezogen", sagt Verdi-Fachbereichsleiter Dirk Reimers. Man könne Verdi kritisieren,
aber nicht in dieser Form als Spalter der Gewerkschaft auftreten.